„Die öffentlichen Körperschaften sind verpflichtet alles zu tun, was in ihrer Macht liegt, um die Volksgesundheit zu heben, einen gesunden, kräftigen
Nachwuchs zu erzielen“, Mit diesem Satz beginnt die Festschrift zur Eröffnung des Amalienbads in Wien 1926. So althergebracht die Worte klingen mögen,
so modern und fortschrittlich präsentiert sich dieses Projekt auch heute noch - und das in vielerlei Beziehung: Das Konzept bot bereits „Wellness“ vom
Feinsten, als es dieses Wort noch gar nicht gab. Trotz höchst anspruchsvoller, an den römischen Thermen orientierter Innenarchitektur war die
Einrichtung vor allem für den einfachen Bürger, die Arbeiterschicht, gedacht und dabei - ausdrücklich - als sportlicher Anreiz für Kinder und
Jugendliche. Und: Das Gebäude besaß schon zu seiner Zeit eine architektonische Besonderheit, die heute in so mancher Sportarena als Krone
zukunftsweisender Baukunst gepriesen wird: Das Glasdach des Gebäudes ließ sich innerhalb von nur drei Minuten über eine Länge von 30 Metern
öffnen.
Mit einem Ambiente von besonderer Schönheit wartet die Frauensauna des Amalienbades auf. Die beiden Architekten Karl Schmalhofer und Otto Nadel ließen
hier farbiges Mosaik von RAKO an den Wänden und im Fußbereich verlegen. Bereits im Thermalbad in Budapest und im Hotel Imperial in Prag hatte es zuvor
Verlegearbeiten im gleichen Stil gegeben, die einige Berühmtheit erlangten. Jetzt sollte die RAKO-Keramik auch im Amalienbad eine „heitere, harmonische
Wirkung erziehen“ - wie es offiziell hieß.
Mit seinem runden Warmwasserbecken im Art-Decó-Stil gilt der Saunabereich heute als einzigartig. Aufwändig gestalteter Mosaikboden, ausladende, ins
Wasser führenden Stufen, die dominante Deckenkonstruktion und die anspruchsvoll verzierten Säulen tragen bei zu einem unvergleichlichen Gesamtbild.
Faszinierend: Die Vielseitigkeit der Mosaikmuster an den Wänden. Immer wieder neue Ornamente wechseln sich ab. Die unterschiedlichen Farben gehen
immer wieder andere Verbindungen ein und verflechten sich doch zu einem harmonischen großen Ganzen.
Kein Wunder also, dass inzwischen so mancher Gast diese historische Wiener Badeeinrichtung einzig und allein wegen ihrer Architektur aufsucht.
Das Amalienbad ist nach wie vor ein echtes Juwel. Ein Juwel, das den typischen Glanz der Zwanzigerjahre pflegt und gleichzeitig mit modernstem
Service aufwartet.